JOMO – Die Lust am Verpassen

Von der New York Times als Sommertrend vorgestellt, hat die Idee auf der ganzen Welt Menschen ermuntert, ihren Alltag selbstbestimmter zu leben. Die JOMO-Philosophie setzt durch Weglassen ein Zeichen für mehr Entspannung. Mit Joy of missing out zelebrieren wir das, was uns wichtig ist. Das Gute daran: Was das ist, lässt sich leicht herausfinden. Wir müssen es einfach zulassen.

Ein Tag hat 24 Stunden. Gönnen wir uns die empfohlene Tagesdosis Schlaf von 8 Stunden, bleiben 16 übrig. 8 Stunden davon arbeiten wir im Schnitt. Bleiben 8 Stunden übrig, die wir für uns haben. Theoretisch. Eines ist also vollkommen klar. Wir verpassen im Leben ziemlich viel. Die Frage ist nur: was. Nachdem immer mehr Menschen von der Angst etwas zu verpassen, beherrscht werden, der Fear of missing out (FOMO), hat sich seit einiger Zeit ein Gegentrend entwickelt: Joy of missing out (JOMO). Worum geht es dabei? Und weshalb lohnt sich ein Blick auf dieses weltweit verbreitete Phänomen?

Eine entspannte Strategie gegen Stress

Stress ist in unserer Zeit allgegenwärtig. Neben fremdbestimmtem Stress wegen zu engen Terminen, Staus, überfüllten Bahnen oder ständigem Erfolgsdruck, gibt es eine weitere Ursache: Uns. Wir haben uns daran gewöhnt, immer hinter etwas herzujagen. Ständig fahnden wir nach den angesagtesten Events, den neuesten Serien, den kreativsten Geschenken, den lässigsten Looks, den abgefahrensten Videos, den neuesten News oder den besten Schnäppchen. So viel wie möglich. Jetzt. Gerade die ständige Verfügbarkeit im Internet führt dazu, dass wir niemals zur Ruhe kommen. Es gibt viel zu verpassen. Der beste Deal scheint immer da, wo wir nicht sind. Die Folge von all dem Stress: Wir haben verlernt, Pause zu machen, kurz innezuhalten. Das verbaut uns den Blick zu einer wichtigen Erkenntnis. Wollen wir das überhaupt? Oder sehnen wir uns vielleicht nach etwas ganz Anderem?

Warum Langeweile Erkenntnis fördert

Erkenntnis kann nur entstehen, wenn wir ihr Zeit geben zu reifen. Solange wir von einer Aktion zur nächsten hasten, bleibt sie schlicht und einfach auf der Strecke. Indem wir bewusst auf einiges in unserem Leben verzichten, steigen wir aus dem Hamsterrad fremder und eigener Erwartungen, können kurz verschnaufen und einfach mal nichts zu tun. Rasch stellen sich dabei Gedanken ein, die zeigen, wie es uns geht. Sie kommen ganz automatisch, wenn wir uns etwas Zeit dafür nehmen. Dabei geht es um so wichtige Fragen wie: Bin ich glücklich? Welche Menschen tun mir gut? Worauf verwende ich in nächster Zeit meine Kraft? Hören wir weiter in uns hinein, kennen wir oft schon die Antworten. Manche mögen unbequem sein, aber sie bieten uns auch Chancen, etwas zu ändern.

Wichtiges von Unwichtigem trennen

Was für uns wichtig ist, können wir nur selbst beantworten. Hilfreich ist es, sich eine innere Liste mit Dingen zu machen, auf die man keinesfalls verzichten möchte (oder die chronisch zu kurz kommen). Gute Gespräche statt Small Talks, durch den Wald schlendern statt neue Sporthypes, Road Movies im Bulli statt Hotelsuite oder das nachgeholte Fotografie-Studium statt Karriere in der Bank: Wenn wir auf uns hören, lernen wir uns besser zu verstehen. Die Lust, das Unwichtige zu verpassen, gibt dem Essenziellen mehr Raum im Leben, eröffnet uns neue Perspektiven. Zum einen fühlen wir uns nicht mehr ständig getrieben und übernehmen die Kontrolle, zum anderen können wir uns ganz auf etwas einlassen. Weil dieser Wunsch tief aus uns kommt … und nicht, weil es irgendjemand empfohlen hat.

Zufriedenes Selbst, zufriedene Gesellschaft

Das Gefühl, selbstbestimmter durch unser Leben zu gehen, macht entspannter und glücklicher. Wer nicht mehr jede Sekunde fürchtet, etwas zu verpassen, lebt unabhängiger. Wir agieren statt nur zu reagieren. Statt uns an einem endlos langen All-you-can-eat-Büfett „vollzustopfen“, stellen wir uns bewusst ein eigenes Menü zusammen und können die erlesenen Dinge ausgiebiger genießen .So hilft der Gedanke von JOMO jedem von uns weiter. Wichtiger noch: Er bringt uns auch als Gesellschaft voran. Der reduzierte Stress kommt der Gesundheit zugute und das neue Miteinander setzt auf Qualität statt Quantität. So gesehen kann das Nichtstun viel bewirken. Weit mehr als blinder Aktionismus. Wenn es also das nächste Mal heißt: What’s next? wäre eine gute Antwort: Nothing.

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2022-11-15T15:26:07+01:00

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