Wie viel Lärm ist noch gesund?

Eine ständige Lärmbelastung kann krank machen. Dies gilt für Menschen genauso wie für Vögel.

Schon wieder fährt der Nachbar mit seinem Rasenmäher direkt an Deinem Fenster vorbei, dabei bist Du doch heute Morgen schon von den Bauarbeiten auf der anderen Straßenseite geweckt worden und wurdest bei der Arbeit im Home-Office wiederholt durch lärmende Kinder im Treppenhaus in Deiner Konzentration gestört. Manchmal würden wir uns wünschen, unsere Ohren genau wie unsere Augen von Zeit zu Zeit einfach mal schließen zu können. Doch die Natur hat es so eingerichtet, dass unser Hörorgan selbst im Schlaf ständig auf Empfang ist. Dies wird für mehr und mehr Menschen zum Problem. Denn was uns in grauer Vorzeit vor nächtlichen Attacken durch wilde Tiere schützen sollte, kann heutzutage schnell zum Gesundheitsrisiko werden. Laute Geräusche versetzen unseren Körper in Alarmbereitschaft, Stresshormone werden ausgeschüttet, das Herz pumpt schneller, die Sauerstoffversorgung wird hochgefahren, der Fett- und Zuckergehalt des Blutes erhöht sich. Unsere Körper ist bereit für Kampf oder Flucht. In der Nacht wird dieser körperliche Alarmzustand bereits deutlich früher ausgelöst als dies tagsüber der Fall ist. Dabei müssen wir nicht unbedingt aus dem Schlaf hochschrecken, eine konstante Lärmbelastung bei Nacht kann unseren Körper beeinträchtigen, ohne dass uns dies bewusst ist. Und auch tagsüber wird der Lärm in unseren Großstädten für immer mehr Menschen zum Gesundheitsrisiko.

Lärm bedeutet Stress. Stress macht krank.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass eine konstante Lärmbelastung von 65 dB langfristig gesundheitsschädlich ist. Die Abkürzung dB steht für Dezibel und bezeichnet den Schalldruck. Geräusche im Bereich von 40 bis 65 dB werden von den meisten Menschen als normal und nicht als unangenehm empfunden. Ab 80 dB können jedoch bereits irreparable Hörschäden entstehen. Bei 120 dB ist die Schmerzgrenze erreicht. Menschen, die konstantem Lärm ausgesetzt sind, haben ein erhöhtes Risiko, einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt zu erleiden. Auch treten Depressionen in besonders lauten Gebieten – beispielsweise in der Nähe eines Flughafens – nachweislich vermehrt auf.

Das Lärmempfinden hat jedoch auch einen stark subjektiven Anteil. So empfinden die meisten von uns die laute Musik auf einer Party oder das eigene Musizieren nicht als störend, während dieselben Geräusche, wenn sie aus der Nachbarwohnung kommen, Stress in uns auslösen. Auch das laute Rauschen eines Gebirgsbachs empfinden wir zumeist nicht als belastend, während eine mehrmals pro Stunde vorbeifahrende S-Bahn, die einen vergleichbaren Lärmpegel produziert, uns häufig den letzten Nerv raubt.

Über 54% der Deutschen fühlen sich durch Straßenlärm in ihrem Wohlbefinden beeinträchtigt. Damit handelt es sich bei ihm um den Störfaktor Nummer 1 und um eine nicht zu unterschätzende gesundheitliche Gefahr für die Bevölkerung. Doch was können wir gegen die ständige Lärmbelastung tun?

Zeit für neue Konzepte

Immer mehr Länder und Kommunen ergreifen Maßnahmen, um ihre Bürger vor den Gefahren des Straßenlärms besser zu schützen. So sind autofreie Innenstädte mittlerweile keine Seltenheit mehr und immer mehr Kommunen arbeiten an neuen Mobilitätskonzepten, die auf einen umwelt- und lärmfreundlichen Verkehrsmittel-Mix setzen. Um laute Anfahrtsgeräusche an Ampeln  zu vermeiden,  werden vermehrt Flüsterasphalt und Kreisverkehre eingesetzt. Außerdem wird versucht, durch Schall absorbierende Lärmschutzwände und Geschwindigkeitsbegrenzungen, den Straßenlärm einzudämmen. Darüber hinaus kann natürlich auch jeder einzelne von uns dazu beitragen, seinen Lärm-Fußabdruck zu minimieren, indem er häufiger das Auto stehen lässt und beispielsweise auf das Fahrrad umsteigt. Auch der Verzicht auf Anlieferungen per Auto bei kleineren Besorgungen kann sich positiv auf den allgemeinen Lärmpegel in Deiner Gegend auswirken.

Es ist wichtig, sich selbst immer wieder kleine Oasen der Ruhe am Tag zu schaffen und seinem Gehör ein wenig Stille zu gönnen. Nach einem lauten Konzertbesuch oder einer anderen Aktivität, bei der Du einer hohen Geräuschbelastung ausgesetzt bist, bietet es sich an, am nächsten Tag einen längeren Waldspaziergang zu machen, um Deinen Ohren die Möglichkeit zur Regeneration zu geben.

Wer nachprüfen möchte, an welchen Orten in seiner Nähe es besonders laut zugeht, der findet im Internet für viele Ballungsgebiete aktuelle Lärmkarten. Diese sollen dabei helfen, bei zukünftigen baulichen Maßnahmen eine positive Lärmentwicklung zu berücksichtigen. Die Kommunen sind außerdem gesetzlich dazu angehalten, alle fünf Jahre Aktionspläne zu entwickeln, um die Lärmsituation für die Bürger zu verbessern.

Hörst du es piepen?

Wir  Menschen sind übriges nicht die einzigen Lebewesen, die unter dem Verkehrslärm zu leiden haben. Laut einer Studie des Max-Plack-Instituts, die mit Zebrafinken durchgeführt wurde, entwickelten sich die Tiere, die konstantem Straßenlärm ausgesetzt waren, im Vergleich deutlich langsamer und zeigten Schwächen bei der räumlichen Orientierung, was bei der Futtersuche zu Problemen führte. Sie wiesen zusätzlich auch ein schwächeres Immunsystem auf. Darüber hinaus ist Verkehrslärm für Vögel auch ein Problem, weil sie sich gegenseitig schlechter vor nahenden Feinden warnen können, da ihre Rufe vom Verkehrslärm übertönt werden. Es gibt also viele gute Gründe, die Lärmbelastung in unseren Städten schnellstmöglich zu überdenken und zu verbessern.

Autor: Tim

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2021-10-01T13:38:03+02:00

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