Der Seidenschwanz ist trinkfreudig und mag es hochprozentig

Im Mittelalter galt der Seidenschwanz als Vorbote für Krieg oder einen besonders kalten Winter. In den letzten Jahren machte der Vogel dagegen immer wieder durch seinen ungezügelten Alkoholkonsum auf sich aufmerksam.

Schlangenlinien im Straßenverkehr sind zumeist ein sicherer Hinweis darauf, dass der Autofahrer Alkohol getrunken hat und nicht mehr hinter dem Steuer sitzen sollte. Auch in der Tierwelt lassen sich vor allem Vögel in freier Wildbahn beobachten, die eigentlich nicht mehr flugtüchtig sind. Besonders der Seidenschwanz machte in letzter Zeit immer wieder durch Alkoholeskapaden auf sich aufmerksam. So kamen 2013 an einem Frühjahrstag in Bad Boll knapp 100 Seidenschwänze ums Leben. Die Bewohner der Stadt standen erst vor einem Rätsel. Später fanden Wissenschaftler heraus, dass die Tiere volltrunken gegen eine Glasscheibe geflogen waren.

Der Seidenschwanz ist ein Schluckspecht

Der Seidenschwanz ist in Mitteleuropa ein eher seltener Gast. In Sommer und Frühling ernährt sich der Vogel vorwiegend von Insekten. Im Winter macht er sich jedoch gern über Früchte wie zum Beispiel unterschiedliche Beerensorten oder Hagebutten her. Dabei lassen besonders die Jungvögel nicht immer die nötige Vorsicht walten. Denn obwohl der Seidenschwanz über eine ungewöhnlich große Leber zur Verarbeitung von Alkohol verfügt, kommt es immer wieder vor, dass ganze Schwärme von Seidenschwänzen nach dem Genuss von zu vielen Früchten im gegorenen Zustand mit deutlich erhöhtem Alkoholgehalt im Blut unterwegs sind.

Tiere im Rausch

Alkohol- und Drogenkonsum sind in der Tierwelt keine Seltenheit. Delfine berauschen sich zum Beispiel gerne am Gift von Kugelfischen, und Renntiere werden high, wenn sie Fliegenpilze essen. Im Wald lassen sich außerdem immer wieder Hirsche beobachten, die sich an Baumstämme lehnen müssen, weil sie nach dem Genuss von gegoren Früchten oder Baumsäften betrunken sind. Der Seidenschwanz ist also nicht die einzige Schnapsdrossel der Tierwelt. Im Mittelalter hatte der Vogel jedoch aus einem ganz anderen Grund einen schlechten Ruf.

Punkiger Exot

Kriegsvogel, Pestvogel oder Sterbevogel: Die Liste der Namen für den Seidenschwanz ist lang, und keiner von ihnen klingt besonders nett. Der schlechte Leumund, den der Seidenschwanz bei den Menschen des Mittelalters besaß, ist jedoch einzig auf den damals stark vorherrschenden Aberglauben zurückzuführen. Denn natürlich ist der Vogel weder für Seuchen noch Kriege oder schlechte Witterungsbedingungen verantwortlich. Er gehört lediglich zu der Gruppe der Invasionsvögel und macht sich, wenn es zur Winterzeit in seinen Brutgebieten in den Wäldern Skandinaviens und Russlands zu Futterknappheit kommt, in Schwärmen auf den Weg nach Mitteleuropa. Sein unregelmäßiges Auftauchen hatte zur Folge, dass er den Ruf eines Unglücksboten erhielt. Heute freuen sich die meisten Menschen, wenn sie nach einigen Jahren einmal wieder einen Seidenschwanz zu sehen bekommen. Gut erkennen kann man ihn an seinem eigenwilligen Gesang. Der Ruf des Seidenschwanzes erinnert ein wenig an den Klang einer Trillerpfeife. Auch äußerlich ist der Vogel durchaus aufsehenerregend. Er wird zwar nur durchschnittliche 18 cm groß, sein Federkleid ist dafür aber außergewöhnlich schön und mit seinen scharlachroten „Plättchen“ an den Armschwingen fast ein bisschen exotisch. Auf dem Kopf trägt er eine rötlich-braune Federhaube, die in die Luft ragt und leicht an einen Irokesenschnitt erinnert. Wir sind große Fans des kleinen Draufgängers und wünschen ihm in allen Lebenslagen einen guten und sicheren Flug!

Autor: Tim
Foto: Yomka

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2020-11-03T17:56:44+01:00

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