Vogel 1.0 – Geheimnis um den Archaeopteryx gelüftet

Zu welchem Lebewesen gehört die versteinerte Urfeder, die vor mehr als 150 Millionen Jahren in einem Steinbruch in der Fränkischen Alb entdeckt wurde? Eine Gruppe von Forschenden hat jetzt die Antwort gefunden.

Im Jahre 1860 machten Forscher im bayrischen Altmühltal einen spektakulären Fund. In einem Steinbruch in der Gemeinde Solnhofen fanden sie den Abdruck einer Urfeder. Das Fossil entstammte dem Jurazeitalter und war somit rund 150 Millionen Jahre alt. In dieser Epoche handelte es sich bei dem Gebiet rund um den Fundort noch um eine subtropische Insel- und Lagunenlandschaft, welche von frühen Krokodilarten, Haien und Dinosauriern bevölkert wurde. Schnell wurde vermutet, dass die Feder zu einem Archaeopteryx gehöre, denn mehrere versteinerte Skelette des sagenumwobenen Tieres wurden ebenfalls in der Nähe gefunden. Doch beweisen konnte man dies bisher nicht – das hat nun ein Ende!

Der US-Amerikaner Ryan Carney von der University of Southern Florida fand gemeinsam mit einer Gruppe von Wissenschaftlern – zu denen auch der deutsche Paläontologe Helmut Tischlinger gehörte – heraus, dass die Feder tatsächlich von einem Archaeopteryx stammt. Beweisen konnte man dies mit Hilfe eines speziellen und hochmodernen Elektronenmikroskops, mit dem man die versteinerte Feder sowie Skelettfossilien aufs Genaueste vergleichen konnte. In der in dem Fachmagazin „Scientific Reports“ veröffentlichten Studie ist außerdem zu lesen, dass die Feder mit großer Wahrscheinlichkeit vom oberen Gefieder des linken Flügels stamme. Selbst die ursprüngliche Farbe des Fossils konnte bestimmt werden, mit neunzigprozentiger Wahrscheinlichkeit sei die Archaeopteryx-Feder schwarz gewesen.

Deutschlands Jurassic Park

Das Altmühltal ist als Fossilienregion weit über die deutschen Grenzen hinaus bekannt. Wissenschaftler aus der ganzen Welt besuchen die Gegend in der Hoffnung auf sensationelle Entdeckungen. Besonders stolz sind die Einheimischen auf das Fossil eines jungen Xaveropterus, einem Raubsaurier, welches im Museum Solnhofen zu bewundern ist. Doch der Star unter den Fossilien des Altmühltals ist und bleibt der Archaeopteryx, der außerhalb der Region bisher noch nirgendwo anders auf der Welt gefunden wurde. Doch was weiß man über den Urvogel überhaupt?

Der Archaeopteryx wird als eine Übergangsform zwischen Reptilien und Vögeln klassifiziert und gilt als Beweis dafür, dass die Evolutionsgeschichte der Vögel bereits im Jurazeitalter begann und diese somit direkt von den Dinosauriern abstammen. Ob der Archaeopteryx zu den Dinosauriern oder zu den Vögeln gezählt werden muss, darüber sind sich die Gelehrten weiter uneinig. Die Wissenschaft geht jedoch davon aus, dass das Tier über Zähne verfügte und dass seine Beine anders als bei heutigen Vögeln gefiedert waren. Der Archaeopteryx war etwa so groß wie eine Taube, und seine Flügel wiesen an den Enden Krallen auf, sodass er beispielsweise Baumstämme hochklettern konnte. Seine Flugfähigkeiten waren eher eingeschränkt, und so legte er zumeist auch nur wenige Meter im Flug zurück.

Der Vogel des Jahres

Bei einer Wahl zum Vogel des Jahres wäre der Archaeopteryx mit Sicherheit auf einem der vorderen Plätze gelandet, denn bis heute ist neben ihm nur noch ein weitere Urvogel des Jurazeitalters mit dem Namen Alcmonavis poeschli bekannt. Beide stehen bei der von den Verbänden NABU und LBV durchgeführten Wahl zum Vogel des Jahres 2021 aus verständlichen Gründen nicht auf der Kandidatenliste. Zum ersten Mal wird der Gewinner nicht durch eine Expertenjury bestimmt, sondern von Vogelfreundinnen und Vogelfreunden aus Deutschland gewählt. Wer erhält Deine Stimme? Über den Link(https://www.vogeldesjahres.de) gelangst Du direkt zur Abstimmung.

Autor: Tim

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2020-11-23T10:14:01+01:00VÖGEL|

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