Die Papageien sind unter uns

Die meisten von uns bringen Papageien mit Piratenfiguren wie Jack Sparrow aus der „Fluch der Karibik“-Filmreihe oder mit Urlaubsreisen nach Mexiko, Chile oder Indien in Verbindung. Doch auch in Deutschland, der Heimat von Amsel, Drossel, Fink und Star, lassen sich gleich mehrere Arten der exotischen Tiere antreffen.

Wer morgens kurz nach Sonnenaufgang im Stuttgarter Schlossgarten oder dem Cannstatter Kurpark eine Runde dreht, der wird mit großer Sicherheit Zeuge von lautem Gekreische und Geschrei. Verantwortlich für das morgendliche Gezeter ist eine Gruppe von farbenfrohen Exoten, die mittlerweile genauso zu Stuttgart gehört wie Maultaschen, der VFB oder ein gewisses großes Autounternehmen. Insgesamt sechzig Gelbkopfamazonen sind momentan in der Schwabenmetropole beheimatet. Wie die taubengroßen Tiere mit dem grünen Federkleid und dem gelb gefärbten Kopf nach Deutschland gekommen sind, ist umstritten. Der erste Stuttgarter Papagei soll 1984 seinem Besitzer entflogen sein, ein zweites Tier soll im Anschluss bewusst ausgesetzt worden sein. Zehn Jahre später war der Bestand bereits auf dreißig Vögel angestiegen. Seit mehreren Jahren leben nun etwa sechzig Gelbkopfamazonen in Stuttgart und bilden damit die größte Population außerhalb ihres ursprünglichen Heimatlandes Mexiko, wo die Vogelart mehr und mehr vom Aussterben bedroht ist. Die Menschen in Stuttgart und Umgebung sind mächtig stolz auf ihr gelungenes Integrationsprojekt. So betreibt beispielsweise die Fotografin Bianca Hahn eine Facebookseite mit dem Namen „Stuttgarter Amazonen“, auf der sie aktuelle Entwicklungen in der schwäbischen Papageien-Welt liebevoll und mit großer Genauigkeit aufbereitet.

Das relativ warme Klima im Sommer kommt der Vogelart sehr entgegen, doch auch im Winter lassen sich die Gelbkopfamazonen in Stuttgart antreffen, denn die Gattung ist äußerst ortsverbunden und außerdem auch in der Partnerschaft sehr treu. Die Gelbkopfamazonen sind monogam und haben zumeist nur einen einzigen Partner im Leben. Bei den Touristen ist die Vogelart zu einer Attraktion geworden. Vogelfreunde aus aller Welt reisen nach Stuttgart, um die grünen Ausnahmeerscheinungen zu bestaunen.

Zwitschernde Störenfriede

Auch die Kölner Papageien sind bei ausländischen Gästen äußerst beliebt und dürfen in keiner Urlaubs-Fotoserie fehlen. Für die Einwohner der Stadt stellen die Tiere hingegen häufig ein Ärgernis dar. Bereits seit 1967 lassen sich Halsbandsittiche, die weltweit am häufigsten vorkommende Papageienart, in der Dom-Metropole entdecken. Die ersten Tiere sollen einem Zoohändler entwischt sein, andere wurden vermutlich von privaten Haltern ausgesetzt. Mittlerweile leben ungefähr zweieinhalbtausend Exemplare der Gattung in der Stadt. Tagsüber fliegen sie in Schwärmen durch die engen Gassen, Parks und Einkaufsstraßen. Gegen Abend trifft sich die Population meist für mehrere Monate in den immer gleichen Schlafbäumen zur gemeinsamen Nachtruhe. Und hier beginnt das Problem! Denn die vierzig Zentimeter großen Tiere mit dem grünen Gefieder und dem roten Schnabel haben sich nach einem ereignisreichen Tag einiges zu erzählen und veranstalten dabei einen ohrenbetäubenden Lärm. Außerdem bringen sie durch die großen Mengen an ausgeschiedenem Kot vor allem die Besitzer der Außengastronomie zur Verzweiflung. Einige von diesen griffen bereits zu Böllern, um sich und ihre Kundschaft vor den Belästigungen durch die Vögel zu schützen. Die Stadt beschäftigte daher zeitweise sogar einen Ornithologen, der Methoden entwickeln sollte, um die Tiere von Orten, an denen sie als besonders störend wahrgenommen wurden, wieder zu vertreiben.

Die Kölner Halsbandsittiche waren die ersten bekannten Papageien in Deutschland. Mittlerweile sind die bunten Tiere auch in Städten wie Brühl, Bonn und Düsseldorf anzutreffen. Insgesamt leben laut Schätzungen 4500 Halsbandsittiche in Nordrhein-Westfalen und genießen das milde Klima des Rheinlands, welches ihnen optimale Lebensbedingungen bietet.

Lieblinge der Kunstszene

Den Halsbandsittichen aus Düsseldorf wurde 2015 eine ganz besondere Ehre zuteil. In diesem Jahr wurden sie nämlich Teil der internationalen Kunstgeschichte. Der bekannte französische Künstler Cyprien Gaillard machte sie zu den Protagonisten einer Video-Installation mit dem Titel „KOE“. In dem vier Minuten und siebzehn Sekunden dauernden Clip verfolgt der Künstler die Tiere mit der Kamera in kreisenden Bewegungen bei ihrem Flug durch Hofgarten, Kö-Bogen und Königsallee. Ein wirklich hypnotisches Filmerlebnis und eine gelungene Auseinandersetzung mit mit den Themen Globalisierung, Urbanität und Natur. Als Teil der weltweit angesehenen Julia Stoschek Collection war die Video-Installation neben Düsseldorf und Berlin unter anderem schon in Sao Paulo, Paris und Basel zu sehen und machte die Düsseldorfer Papageien zu den Lieblingen der internationalen Kunstszene.

Autor: Tim

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